Stadtentdecken Deutsch-Zeit
Berlin, lieben oder lassen, gleichgültig, nee! von Jürgen Deutsch
+ Berlin // Spree-Athen // Hut ab!
Die geschichtsträchtige und kräfteraubende Metropole,
Berlin, mit kulturellem Rückgabepotential für seine Menschen
Wer Sehen und Hören will wird von der bewegten Stadtgeschichte Spree-Athens überwältigt und kann auf jeden Weltstadtkilometer die Straßen und Häuser zu sich sprechen lassen – versinkt unweigerlich in die Berlin-Historie.
Es war einmal eine junge Düsseldorferin die erst seit wenigen Tagen in der Stadt Berlin weilte und sagte, in der Hauptstadt hatte ich das Gefühl, wie in keiner anderen deutschen Stadt, dass einem auf Schritt und Tritt die bewegte Geschichte anspringt. Ein tolles Kompliment für die Metropole, Berlin.
Was besagt es? Dass sich heute kaum jemand vorstellen kann, dass Berlins Wahrzeichen, das // Brandenburger Tor // in weißer, marmorimitierter Farbe – aus preußischer Sparsamkeit – einst nach Berlin hineinstrahlte. Oder dass die Bezeichnung „Pumpernickel“ für Schwarzbrot von den Berlinern übernommen – eine Verball-
hornung aus dem französischem – von Napoleon Bonapartes Zuruf: „Bon pur Nickel“, 1806 an seine Soldaten am Brandenburger Tor entstammt. Zu dieser Zeit ritt Napoleon sein Lieblingsschimmel „Nickel“.
+ Der // Öffentliche Raum // im Berliner Stadtkern
Wiederherstellung der historischen // Berliner Stadträume //
Der Berliner Senat lässt Stadträume aus vergangener Zeit nach alten Plänen neu entstehen, so der Neustädtische Kirchplatz im // Spreeathener Stadtkern //. Die Wiederherstellung des Neustädtischen Kirchplatzes zwischen Neustädtischer Kirchstraße und Schadowstraße an der Dorotheenstraße ist eine // Oase im innerstädtischen Häuser-Meer //.
Eine ebenfalls gelungene städtische Raumgestaltung, nach historischen Plänen, ist der Schinkelplatz an der Friedrich Werderschen Kirche, der Bauakademie. Der Platz mit der halbrunden, marmornen Sitzbank, dem Steinboden-Mosaik und den Standfiguren: Schinkel, Thaer, Beuth ist ein // Stadt-Raum-Smaragd // höchster Güte. Westlich vom Areal entsteht der // Prinzengarten // mit Townhäuser der gehobenen Bausubstanz. Östlich des historischen Ensembles, am anderen Spreeufer, ist das // Marx-Engels-Forum // in der Planungsphase. Hier wäre ein kleingerastertes Straßennetz - nach historischem Stadtbild - mit einer urbanen Vielfalt von Wohnen, Arbeiten, Kultur, Vergnügen, Geschäften und Behördensiedlung denkbar.
Ein weiterer erwähnenswerter - leider vernachlässigter Stadtraum - ist der // Alfred-Döblin-Platz // zwischen Dresdener Str. und Sebastianstraße Ecke Luckauer Str. in Bln-Kreuzberg SO 36. Der Platz liegt noch im Dornröschenschlaf und wartet auf sein Erwachen. Die Neugestaltung des Platzes zu Ehren des bedeutenden Buchautors, Alfred Döblin, mit dem Erfolgsroman "Berlin-Alexanderplatz" würde das Wohnumfeld aufwerten.
Bei Großprojekten - wie der Ausgestaltung des // Tempelhofer Flugfeldes // Mangelt es an Information der Bürger + junge Menschen zur Mitsprache + Mitgestaltung von aktuellen Baumaßnahmen. Es bedarf der baukulturellen Wahrnehmung um als mündige Bürger an der Gestaltung seiner Stadt, seines Quartiers, seines Dorfes aktiv + kenntnisreich mitzuwirken und nicht in Bürgerinitiativen, die nur als Abwehrreflex von jeder Veränderung entstehen.
+ Damals war`s überliefertes aus Alt-Berlin im Spiegel von Heute // Berliner Berliner Bau // + Bodenspekulation
Heute, Würfel und rechtwinklige Turmbauten rund um den // Hauptbahnhof Berlin //
Damals, die Berliner Mietskaserne // Meyers Hof // mit sechs Hinterhöfen im Berliner Norden, Ackerstr. 132-133
Damals, nach der Reichsgründung von 1871, als Berlin nach dem Krieg mit Frankreich von den Milliarden der französischen Kriegsentschädigung profitierte und einen schnellen Bevölkerungszuwachs verzeichnete fanden die " Rucksack Berliner " / Zugereiste / zwar Beschäftigung und Lohn, jedoch keine Wohnungen. Zu dieser Zeit wurden aus der Not heraus // Schlafplätze in Wohnungen stundenweise vermietet //.
Heute, die Zweckentfremdung von // Sozial-Mietwohnungen in Ferien-Appartements //.
Trotz der in den Gründerjahren nach dem deutsch/französischen Krieg einsetzenden // Terrain- und Bodenspekulation // konnten nicht schnell genug Wohnungen gebaut werden. In dieser Zeit der Hochkonjunktur des Bauens von // Mietskasernen ließ der Fabrikbesitzer, Jacques Meyer 1873/74 ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse des Einzelnen und der Gemeinschaft auf 5.600 Quadratmeter großen Grundstück nicht weniger als sechs fünfgeschossige Häuser mit sechs schmalen Hinterhöfen die, die Häuser trennten, gewinnbringend bauen.
Wie wir heute Wissen, geht die bauliche Entwicklung Alt Berlins Ende des 19. Jahrhunderts von versäumten Gelegenheiten und nicht erkannten Bedürfnissen, wiederholt sich heute am // Hauptbahnhof Berlin //, vornehmlich von der preußischen Bürokratie und des wirtschaftlichen Liberalismus aus.
Unglückliche Bau- und Bodenspekulation des ausgehenden 19. Jahrhunderts verhalf die Bodenspekulanten zu ihrem Profit und die damalige Baupolizei kümmerte sich nur um den Brandschutz.
Parallelen zum Heute sind offenkundig.
Ein Eingreifen seitens der Senats Baudirektion bei der Bau- und Bodenspekulation im heutigen Berlin, Fehlanzeige.
Öffentliche Gehwege zu beiden Seiten der Spreeufer müssen durch intelligente Lösungen möglich sein.
+ Vom ehemaligen Schafs- und Landwehrgraben zum Landwehrkanal - um 1850 vor den Thoren Berlins
// Spree-Athen // Orte und Plätze die unsere Vorstellungskraft aktivieren. Ganz allmählich, fast selbstständig, zu Bildern werden. Stadtthore mit hohen Stadt- mauern das emsige Treiben, der Arbeiter, Bürger und Edelleuten in den engen Gassen Berlins und hinter dem Landwehrkanal, das grün, saftige Wiesen, außerhalb des südlichsten Stadthors dem „Halleschen Thor“ mit seinem innerstädtischen Empfangsplatz, (nach 1871 Belle Alliance Platz, heutiger Mehring Platz) des noch bescheidenen Berlins.
Der ehemalige Schafsgraben mündet – im Südosten Berlins – oberhalb des Schlesischen Thors, aus der Treptower Spree (auf der Höhe des ehem. Osthafens) und fließt beim Charlottenburger Dorf „Luetzow“ – nahe dem „Königlichen Salzmagazin“ – in die Spree aus. Es ist nicht bekannt wann der Schafsgraben entlang der südlichen Stadtmauer angelegt wurde. Führte die Spree Hochwasser diente der Graben zu ihrer Entlastung.Im Jahre: Anno 1705 wird der Landwehrgraben wirtschaftlich genutzt. „Anno dazumal“ wurden Baumstämme – auf der Höhe der heutigen Holzmarkt Straße – entlang der südlichen Stadtthore: dem Schlesischen-, Kottbusser, und Wasser Thor, vorbei an den „Schlächterwiesen“, „Am Urban“ zum Halleschen Thor geflößt. In der dortigen „Königlichen Holzsägerei“ werden die Holzstämme verarbeitet.
Schon 1818 stellte der Ober Mühlen Inspektor, Schwahn, einen Plan zum Bau eines Umgehungskanals auf. Er sollte 11 Meter breit und selbst bei niedrigstem Oberwasserspiegel noch mindestens 1,30 m Tief sein. Nachdem bereits alle Vorbereitungen getroffen waren, ließ der König den Bau jedoch 1820 aus Kostengründen stoppen. Ab 1705 wird der Landwehr- graben erstmals wirtschaftlich genutzt. Erst 135 Jahre später, ca. 1833 bis 1840 – nach dem Lenné, seit 1824 „Königlicher Gartendirektor“ in Potsdam – widmet er sich der Neugestaltung des „Großen Tiergartens“. Parallel hat er die grandiose Idee den landwehr- graben auszubuddeln. Aus dieser Zeit stammt sein volkstümlicher Spitzname„Buddel Peter“.
Sein Plan war, den Landwehrgraben für die Spreeschiffer, schiffbar zu machen. Denn die Lastkähne müssen „Anno 1800“ wochenlang vor der Spreeschleuse „Am Mühlendamm“ vor Anker liegen, bis sie die Schleuse passieren können. Der damalige Wunsch der Lastkahnschiffer war es, den vorhandenen Landwehrgraben auszubuddeln und als Umgehungsweg schiffbar zu machen.
Anno 1845 begann der Ausbau des Landwehrgrabens – nach der Entwicklung und Planung von Peter Joseph Lenné, - auf einer Länge von ca. 10,04 Kilometer. Durch die Schleusenthore – am Anfang und Ende des Landwehrgrabens – konnte die Wassertiefe gehalten werden und nie unter 1,50 m sinken. Die Breite an der Wasseroberfläche lag bei ca. 20 m. Die Sohle lag bei 10 m und lief schräg an, so dass die Schiffe nicht direkt am Ufer anlegen konnten. Am 02. September 1850 – nach fünfjähriger Buddelzeit – wurde der fertiggestellte Landwehrkanal dem Schiffsverkehr übergeben. Der Presse war die Einweihung nur wenige Zeilen wert. Die Berliner nahmen ihn im Prinzip nicht wahr, zumal er „Anno dazumal“ noch außerhalb der Berliner Stadtmauer lag.
Heute wird der Landwehkanal fast nur noch von Ausflugsdampfer und an den Ufern von Erholungssuchenden benutzt.
Jürgen Deutsch // Freier Journalist, Blogger //
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